De Geschichte von Brot No. 4

Meine Geschichte vom Brotbacken. Teil 2

Drei Brote sind mir recht gut gelungen. Werfe mich in Siegerinnen-Pose über den Backofen. Bis ich Brot Nr. 4 kennen lernen. Mein Gefühl sagt mir, dass der Starter sich verändert habe. Im Backbuch steht, man könne ihn „ewig“ benutzen. Daraus schließe ich, dass es schon okay sein wird. Mit leichter Unsicherheit durchschreite ich alle Vorbereitungen. Am Backtag klingelt ständig das Telefon, Unruhen aller Art dringen in meine Küchenwelt ein. Denke an die alten Sprichwörter, dass Brot seine Ruhe und Zeit haben muss. Das Brot und seine Bäckerin brauchen den Frieden wirklich. Habe ein säuerlich riechendes, recht flaches Brot rausbekommen, was mich nicht glücklich macht. Es ist irgendwie der Unruhe des Tages abgerungen. Das hat „uns beiden“ nicht gut getan.

Das „Projekt Brotfilter“ startet. Für einen Monat möchte ich das Backen in eine feste (Back-)Form geben. Einen emotional und organisatorisch durchwühlten Backtag soll es nicht mehr geben.

Was ist denn MEIN bester Backtag? Das große Rechnen beginnt.

  1. wenn ich z.B. an einem Mittwoch den Starter füttere, dann ist, …. Nein, er müsste morgens gefüttert werden oder am Abend, damit er über Nacht wachsen kann,….
  2. Mittwochabend füttere ich den Starter und er kann die ganze Nacht Bläschen schlagen! Am Donnerstagmorgen ist er verdoppelt und startklar! Donnerstagvormittag gebe ich Mehl und Hefe und Salz dazu. Dann reift er bis Freitagmorgen. Was vom Tag her blöd ist, weil ich freitags keine Zeit habe.
  3. Donnerstagabend füttere ich den Starter und lege ihn zur Ruhe. Freitagmorgen kommen Mehl, Hefe und Salz dazu. Nach einer Stunde Ruhe wird er gefaltet. Das heißt, ich müsste ihn direkt nach dem Frühstück messen und verrühren. Nein, das fühlt sich auch nicht gut an, … es ist ja auch wichtig, das Wasser auf die richtige Temperatur zu bekommen, es ist alles mehr Aufwand als ein schnelles Einrühren.
  4. Freitagabend füttere ich den Starter. Samstagmorgen bekommt er alle Zutaten und die erste Ruhephase. Dann reift er bis Sonntagmorgen. Die Zeit zum Kneten ist gekommen. Und wieder ein paar Stunden Gärzeit. Backofen, Kneten, Wasserdampf, in Form bringen, … will ich das alles am Sonntag haben?

Es kann einen Versuch wert sein, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Die wichtigste Frage scheint zu sein, was ist mein bester BACKTAG. Kneten, Gären, Formen, Backen und Abkühlen, … das geht nicht über Nacht. Manchmal sucht man an den verkehrten Stellen und stellt die falschen Fragen, während eine richtige Frage der Schlüssel ist. Was wäre denn mein liebster Backtag, wenn ich mich nicht in den Details verliere? An welchem Tag möchte ich backen?

  1. Sonntag – nein, auf keinen Fall! Dienstags auch nicht. Freitags auch nicht, Montag finde ich schwierig, Bleiben Mittwoch und Donnerstag.
  2. Es ist bestimmt: Mittwoch ist Backtag. Dienstag wäre der Mehl-Hefe-Wassertag und montags wird der Starter gefüttert. Donnerstags gäbe es demzufolge bei uns frisches Brot.

Es erinnert mich an den großmütterlichen Waschtag und daran, wie meine Mutter sich den großen Hausputz organisiert hat. Der sloganähnliche Satz „Mittwochs ist Backtag bei mir“ hat eine friedliche Melodie. Mehr brauche ich dann auch nicht zu wissen. Abweichungen bringt das Leben von alleine!

Natürlich hätte ich zum Wochenende lieber das frische Brot, aber die Aufteilung von Zeit und Tätigkeiten passt nicht dazu. Nicht das Wunschbild ist tragend. Frisches Brot schmeckt an allen Tagen. Das Wochenende hat viele besondere Aspekte, da braucht es nicht noch das frisch gebackenes Brot. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit und eigenem Vermögen zu unterscheiden.

Montag Starter – Dienstag –Mehl/Hefe/Wasser – Mittwoch ist den ganzen Tag eine Grundruhe angesagt, ich bleibe bei meinem Brot. Okay, das scheint mir tragfähig zu sein, … ein sehr gutes Training für gute Fragen, weniger Wunschdenken, lieber eigener Rhythmus, … Brot ist gerade mein bester Ratgeber. Das Brot will Zeit, Geduld und Frieden. Es will keine Luftzüge und Klimmzüge.

Nach all´ diesen Kleinmädchen:Rechnungen steht es fest: Mittwoch ist mein Backtag. Montags wird gefüttert. Dienstags wird gefaltet! Der erste Mittwoch ist ein „Backtag ohne backen“, bin noch nicht gerichtet auf das Experiment.

Da ich eine Woche Zeit habe zum Träumen, gehen die Back:Gäule mit mir durch. Greife in den Brotbackhimmel und hole das erste Baguette-Rezept hervor. Vier Brote habe ich durchgebracht, das scheint mir das Gesellinnenzertifikat zu sein. Wenn ich Sauerteig und Baguette kann, besetze ich voller Macht den Back:Thron.

2 Kommentare zu „De Geschichte von Brot No. 4

  1. Falls du Brotrezepte suchst, die machbar sind:https://olaolafood.blog/. Und viele sind in einem Tag backbar. Mit Hefe und Gärautomat. Oder mit kaltem Starter aus dem Kühlschrank. Sicher Brot zu backen, hat mich gut 1 Jahr gekostet. Heute gibt es nichts mehr aus dem Laden. Schön, dass du zurück bist.

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