1: sich Zeit nehmen, gar nichts zu tun

Sitzen.

Die Idee ist schlicht und makellos. Der erste Schritt im ZEN:Prinzip ist, sich Zeit zu nehmen an nichts zu denken. Die Übung dazu: täglich 10 Minuten nichts tun. Ohne Ablenkung.

Ich fühle mich unentwegt beschäftigt und bin geschäftig. Als wäre ein Derwisch hinter mir her. Er hat von meinen Eltern Spick:Zettel mitbekommen. Somit kennt er sich bestens aus mit Sätzen, die mich im Hamsterrad laufen lassen.

Während ich ihm von ZEN erzähle, schüttelt es sich vor Lachen und ist sich seiner Macht verdammt sicher. Den kriege ich in der ersten ZEN-Einheit nicht ausgeschaltet oder niedergerungen.

Wie ein Kind mache ich meine Auszeit hinter seinem Rücken. Jedoch: er hat sich verbrüdert mit meinem Rücken, meinen Gedanken und meiner Atmung. Als könnte er es voraussehen, dass ich ihm ein Schnippchen schlagen möchte, schickt er mir Rückenweh, Kurzatmigkeit und ein Gedankenkarussell.

Ich habe noch eine Geheim:Waffe. Mein Eichhörnchen:Modus. Unentwegt neu beginnen, unentwegt Nüsse vergraben, als wäre es die erste oder die letzte Nuss. Die Übung „sich Zeit nehmen, gar nichts tun“ ist eine harte Nuss, kaum zu knacken. Ich vergrabe sie tief. Beginne mit den Verhandlungen: würden 5 Minuten reichen? Zählt es, wenn ich noch im Bett oder in der Badewanne liege? Wie könnte meine erste Übung zu einem leichten Spiel werden?

Als Kind war ich eine leidenschaftliche „Aus-dem-Fenster-Guckerin“. Am Fenster nichts zu tun könnte mir gelingen. Strebe mal mehr als eine Minute an. Ca. 70 Sekunden.

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE. Übung 1 sich Zeit nehmen, gar nichts zu tun.

Pandemie: in Zeitlupe/slow motion

Die Zeit ist gedehnt wie ein zu kurzer Strumpf, den man übers Knie hochziehen möchte.

Ich lasse mir für alles mehr Zeit. Weil ich soviel unverplante Zeit habe.

Diejenigen, die für das Funktionieren unserer Gemeinschaft arbeiten, haben gepresste Zeit. Ungleich verteilt. Glück. Pech. Zufall. Und schlussendlich Schicksal.

Ziehe meine gedehnten Zeitsocken hoch und gehe alleine durch die leeren Straßen walken.

ZEIT 8 – Verlust

„Ich habe Zeit verloren“ – das sagt man so. Weil ich nichts getan habe, das Falsche getan habe, zu lange für das Richtige brauchte?

Ich habe Zeit verloren, wessen Zeit? Meine? Die von anderen? Bloß Arbeits:Zeit oder sogar Lebens: Zeit?

Ich habe Zeit verloren. Bin nicht in Übereinstimmung mit mir, meinen Zielen und Wünschen. Falle in den Spalt hinunter, der diese trennt. Unten im Schacht verliere ich dann wirklich Zeit.

Reha:Schnack – Terminplanung

Sobald in den PatientINNEN:Fächern ein neuer oder geänderter Termin:Plan liegt, setzt ein Weh:Klagen ein. Papier:Verschwendung! Schon wieder fällt was aus! Da ist doch nichts geändert worden!

Mehr genörgelt wird nur beim A:Discounter, wenn sage und schreibe vier Menschen gleichzeitig an der Kasse stehen „müssen“.

Die Forderung nach einer digitalen Terminplanung wird laut. Auch die Klinik hätte das gerne. Noch steht der Datenschutz im Weg.

Und ich denke: wir wollen hier entschleunigen, Zeit haben. Wo ist der Zu:Gewinn, wenn ich schneller eine Information erhalte, für die ich nichts mehr TUN muss. Weder zum Kommunikationspunkt der Postfächer gehen, noch jemanden etwas fragen. Alles, was typisch menschlich ist – Bewegung, Sinneseindrücke und Kommunikation – würde eingeebnet zu einem „digitalen pling“.

Wir sabotieren uns selber.

Kaufen Selbsthilfebücher. Buchen Entspannungs:Seminare und Wellness:Hotels. Rennen dem eigenen Schatten sehnsüchtig hinterher. Doch der schießt nicht schneller als wir selber. Ausser bei Lucky L.

Zudem: ich mag analoge Informationen. Ich mag Papier. 🖌📆🎈

ZEIT 7 – meine Dinge:Uhr

Zwei Mal im Jahr aktiviere ich meine Dinge:Uhr. Ich zähle nicht in Stunden oder Tagen, sondern mit Dingen. Vor jedem Urlaub kommt der Augenblick, an dem ich vor Ungeduld platzen könnte, manchmal Monate vor Urlaubsbeginn, manchmal nur zwei Wochen früher. Dieses Gefühl aktiviert die Dinge:Uhr. Jeden Tag lege ich EINE Sache für die Reise bereit. Unmerklich bis merklich füllt sich eine Ecke im Haus mit Wäsche, Reiseführern und Reise:Kram.

Spätenstens ab November meldet sich die adventlich-weihnachtliche Dinge:Uhr energisch zu Wort. Jeden Tag hänge ich im Treppenhaus eine rote Kugel auf, im Wohnzimmer einen Stern. Je voller alles wird, desto mehr jubiliert meine Seele, die Zeit vergeht sicht:bar in Richtung eines Höhe:Punktes im Jahreskreis.

neu

Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,

Und neues Leben blüht aus den Ruinen.

http://www.friedrich-schiller-archiv.de – Wilhelm Tell, 4. Akt, 2. Szene, Attinghausen

Vertrauen…

Während das Alte stürzt,

tut mir alles weh.

Wie sich die Zeit verändert

macht mir Angst.

Das, was war und voran ging

wird abgelöst.

Unsicher blicke ich über die Ruinen hinaus.

Is there anybody outthere?

Unbekanntes grenzt an das Alt:Vertraute.

Ich mache den ersten Schritt…

vom warten

Warte nie bis du Zeit hast

Warten ist existentiell, alltäglich und hoch emotional. Je häufiger ich Erfahrungen mit Unzuverlässigkeit/Mißerfolgen mache, desto weniger vertraue ich darauf, dass sich eine Situation zum Positiven für mich wendet. Je mehr Versprechungen gebrochen wurden/werden, je mehr Enttäuschungen ich erleb(t)e, desto schlechter kann ich warten. Und entwickle die Erwartung/die Angst, nie mehr aus der Situation herauszukommen. Warten bedeutet eine Unterbrechung  im Erleben von Zeit und dem Zeitfluss. Ungeduld entsteht. Vertieft durch die Haltung „Zeit ist Geld“. Wartezeit ist vergeudete Zeit. Ich spüre, wie sehr die Fähigkeit (ruhig) zu warten, mit Vertrauen zu tun hat.

warten… auf den Bus

warten… auf Besserung

warten… auf den Urlaub

warten auf das Grün der Ampel

warten… auf das Essen

warten…auf eine Antwort

warten…auf den download

warten… auf Sonnenschein

warten…auf eine Diagnose

warten… auf ein gutes Wort

warten…auf die Bestellung

warten…auf den Sommer

warten…auf den Kellner

warten… an der Kinokasse

In Afrika sagen die Menschen gerne: ihr Europäer habt die Uhr, wir haben die Zeit! Müßte ich mich heute entscheiden, nähme ich „die Zeit“, auch wenn ich manchmal vor Ungeduld platzen könnte. Nehme mir vor, das Warten mehr anzunehmen, um die dem Warten innewohnende Zeit nicht zu verplempern.Das gute Tun verträgt keine Eile.

Foto: Höhlenmalerei Lascaux, gemalt vor ca. 38.000 Jahren

dinge:stille

Heute wäre hier Stille und Rückzug angesagt. In Wirklichkeit sind wir beschäftigt und unterwegs: Ärzte, Apotheke, Versicherung, AnwaltIN suchen, Vorbesprechung OP, Vorbereitung REHA, … all´das mit „drei“ Armen und vielen Tränen. Danke an all´die besonderen Menschen, die Anteil nehmen und gute Worte zu verschenken haben. Ein Extra-Dankeschön an Helga für das köstliche Fingerfood.