vom telefonieren

vom telefonieren

Es scheint mir wie gestern, dass ich eine Lang:Telefoniererin gewesen bin. Mit Schulfreundinnen, mit dem Freund. Ohne Anlass, selten zum Abstimmen von irgendwas. In der Jugendzeit ist das Telefon ein heißbegehrter Zugang zur Welt. Während des Studiums ziehen sich 20 Meter verwickelte Telefonkabel durch die Wohnungen. Der Übergang zu ISDN entwickelt sich zur Geheimwissenschaft und die Telekom ist plötzlich ein Rad:Renn:Sponor. Heute klingelt das Telefon nur noch selten, es ist ein Alte:Leute:Apparat geworden. Dafür brummt und vibriert das Handy 24 Stunden lang. Telefonieren ist zu einer Art Dauer:Zustand geworden. Vom Zankapfel und Luxusobjekt hat es sich gewandelt zu einer Direktleitung mit sämlichen eingegebenen Kontakten. In jedem Augen:Blick können sämtliche mit mir verkontakteten Leben, gleichgültig welche Bedeutung sie haben, in mein Leben hineinklingeln. Sobald das Display sichtbar ist und die kleinen Zahlen an den Messanger:Diensten hängen, ist der Ein:Bruch in meine Sphäre bereits geschehen. Sie rufen mir zu: „Wichtig! Lesen! Ich warte!“ Als würde ich bei der Serie Star:Trek/Enterprise auf die technologische Spezies „die Borg“ treffen, die einen begrüßen mit: „Widerstand ist zwecklos! Sie werden assimiliert!“

Haushalts:ZEN 27- Regale

mir zuviel!

Internationale Austauschbarkeit der Discounter-Regale, zu unserer vereinfachten Orientierung in der (Discounter)-Welt. Wie von einem Blindenhund geleitet finde ich Butter, Bananen und Bohnen! Das hat seine Annehmlichkeiten aus Verläßlichkeit und als Sahnehäubchen gibt es jede Woche „eine neue Welt“, Garten, Haushalt, Schulanfang oder Freizeit. Perfekter mentaler Zuschnitt.

Als Haushalts:ZEN:lerin befinde ich mich im passiven, gewaltfreien Widerstand. Nein, keinen Café, nein, kein „frisches“ Brot, nein, kein Putensteak. Angestrengt gegen den Strom schwimmend, konzentriere ich mich auf die Produkte, die ich gerne hätte! Ermattet lande ich bei BIO-Tomaten und Toilettenpapier.

Klar, es schallt die Antwort: „Dann geh´doch nicht mehr dorthin! Mach´dir das Leben leichter!“ Die Discounter sind diejenigen, die es zur Marketing:Perfektion ausgebaut haben. In jedem anderen Laden schreien mich die Produktversprechen genauso an, vielleicht melodiöser und langsamer.

Es ist anstrengend gegen den Regal-Strom zu schwimmen, inmitten der Verlockungen mein Mantra „brauche ich nicht“ zu murmeln. Gegen die Besitzstands:Freude, wenn der Einkaufs:Wagen wohl gefüllt ist und ich mit einem zufriedenen Seufzer den Laden verlasse.

Meine Ambivalenz verhindert den ungezwungenen Spaß. Bedrucke mir einen Beutel mit “ ich shoppe nicht, also bin ich!“ und gehe wagemutig gegen den vorgeschriebenen Strom durch die Läden.