39: Denkpausen erlauben

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 39

Ideen und Gedankenblitze verstecken sich gerne in Zwischenräumen. Mir ist, als hätten wir die Zwischenräume fast ganz vertrieben und ausgerottet. Vor lauter Effizienz, entleerten Wörtern und Druck:Gefühlen!

Seit zwei Wochen bin ich ein kleiner Groupie von Harald Welzer. Er hat einen dicken Schmöker über Gesellschaftsutopien geschrieben. Ausgiebig, fundiert und facettenreich. Für sehr lange Leseabende. Verliebt habe ich mich in seine Arbeitsweise, als ich vor dem Quellenverzeichnis auf seine Zusammenfassung stieß. Er nennt es „11 Merksätze zum neuen Realismus“. Das macht es zunächst wissenschaftlich. Genauer betrachtet entpuppen sich seine Merksätze zu wunderbaren „utopischen“ Mantras, die ich am liebsten mehrmals am Tag durchlesen möchte. Kostprobe gefällig?

1. Zeit kann man ebenso gut auch verschwenden.

2. Es ist alles schon da, nur falsch zusammengesetzt.

3. Die Welt kann freundlich sein.

4. Kleinstmögliche Zustandsveränderung kann jede und jeder.

5. Morgen Mittag beginnt das Neue.

Mantra:Mantel 15- Wundersatz

Zartes Herz.

Inmitten von Büchern, Podcasts, Gesprächen und therapeutisch-medizinischen Anwendungen ist mir ein kleiner Satz ins Gemüt gefallen: „Egal, woher es kommt und wie es entsteht, das Wichtigste ist die tiefe Entspannung.“ Das ist MEIN Mantra, weil es den Erfolgsdruck von den einzelnen Methoden nimmt. Zudem ist es ein Ziel, das die Komplexität der Probleme, Schmerzen und Stressoren zusammenfaßt für das Gefühl, EINS mit sich und seinem Sein zu sein. Der Satz schenkt mir die Möglichkeit, in mir ruhend die Wäsche aufzuhängen oder Hagebutten zu ernten oder im Sessel eingekuschelt Tee zu trinken. Als leistungsfixierter Mensch erlebe ich in dem Satz eine große Freiheit, ein sanftes Ziel und viel, viel Gewissheit, es richtig zu machen.

Mantra:Mantel 1

Schnecken:Mantra

„ein Mantra umhüllt die Seele wie ein Mantel“

Wundersamerweise schenkt mir das Leben immer wieder

Erkenntnis:Blitze & Durch:Blicke.

Im Tages:Kuddel:Muddel haben sie so wenig Haftung wie Blicke und Blitze.

Ich halte sie mir fest, stecke meine eigene Klugkeit in Mantra:Mäntel

hülle Herz und Gedanken darin ein,

wenn der Wind mal wieder eisig übern Berg bläßt.

Die kleine Serie „meine künstlerische Pflicht“ hat mir gut getan, in der Großzügigkeit alltäglicher Kunst wurde alles Museale zu Staub. Ich hoffe, daß das beruhigende Ritual einer „Serie“ weitergeht mit meiner Idee, mir Mantra-Mäntelchen zu schneidern.