44: auf sich selbst achtgeben

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 44

“Welcher Talisman ist der mächtigste, welcher bringt die größten Effekte?“ wird Herr Masuno häufig gefragt. Seine Antwort bestätigt mich erneut darin, dass ich ihn toll finde. „Betrachten Sie den Talisman als Teil des ehrenwerten Buddhas. Sie sind aber diejenige/derjenige, der auf den Talisman aufzupassen hat! Dadurch, dass Sie auf den Talisman aufpassen, passen Sie auf sich selber auf.“

Wie genial! Es spielt eine untergeordnete Rolle, welche Art von Talisman man verwendet, Hasenpfote, Edelstein oder Amulette. Dadurch, dass ich auf ihn achte, achte ich auf mich.

Auf mich selber zu achten ist der Sinn eines Talimans.

43: Gut starten

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 43

Um eine Aufwärtsspirale guter Chancen einzuleiten und um mich herum Gutes entstehen zu lassen, ist es wichtig gute Beziehungen zu führen, sich jeder Arbeit sorgsam zu widmen. Natürlich gibt es schwierige Aufgaben und problematische Beziehungen. Hier greift eine ZEN-Tradition, der Kwatz-Schrei. Sobald ich merke, dass ich pessimistisch, grüblerisch und sinnlos negativ denke, erhebe ich meine Stimme mit dem Ruf „Kwatz!“. Er ist ein Lehrmittel von Zen-Meistern der Rinzai-Tradition. Das Erschrecken über den unerwarteten Schrei eines Meisters soll gelegentlich SchülerINNEN zur Erleuchtung geführt haben.

Ich mag solche Stop-Wörter gerne. Besonders gelungen finde ich die Idee, wenn man sich gekränkt o.ä. fühlt, laut „Aua!“ zu sagen. Das ist ein perfekter Warn:Ruf. Unterbricht die Situation zunächst. Ob ich direkt etwas erklären kann oder möchte, ist offen. Aua, Kwatz oder Stop, irgendetwas geht immer.

42: eine Pflanze zum Blühen bringen

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 42

Die Natur befindet sich in einem unentwegten Wandel. Wir Menschen haben die Tendenz, an der Vergangenheit zu kleben und uns um die Zukunft zu sorgen.

Herr Masuno rät, eine Pflanze vom Samen bis zur Blüte und Reife großzuziehen. Jeden Tag in einen Dialog mit der Pflanze zu treten und ihrer beständigen Veränderung beizuwohnen.

Jedes Jahr im Advent ziehe ich eine Amaryllis heran, in der Hoffnung, zu Weihnachten Blüten zu erleben. Auch das Schneiden eines Barbara:Zweiges gehört zu meinen Natur:Rückbindungen. Etwas Moos, einen Tannenbaum und Fichtenzweige ins Haus zu schleppen ist mir eine glücklichmachende „Pflicht“ in dieser Jahreszeit. Eine Pflanze zum Blühen zu bringen ist im Winter eine größere Herausforderung. Zum spürenden Lernen gehört die Botschaft: „Jeder Tag ist ein neuer Tag. Was heute war, endet heute. Morgen wird wieder ein neues Selbst geboren. Deshalb muss man sich nicht sorgen.“ (S.101)

41: an einer gemeinsamen Zen-Sitzmeditation teilnehmen

Ach, Herr Masuno, sie ahnen nicht, wie gerne ich mal wieder an einer gemeinsamen Zen-Sitzmeditation teilnehmen würde. Oder mit vielen Menschen in einem Raum zu sein. Oder kräftig und falsch zu singen. Wir stecken in einer Pandemie und je nach Land, in dem man sich zu diesem Zeitpunkt befindet, gibt es neue Regeln, deren Ziel die so genannte Kontaktvermeidung ist. Digital gibt es viele Einladungen und Möglichkeiten! Digital ist leider ohne Atmosphäre, nur der Augensinn ist aktiviert.

Schreibe mir das Kapitel 41 auf meinen Wunschzettel! Lege ihn auf die Fensterbank heute Abend und hoffe, dass ein Engel ihn einsammelt.

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 41

40: klare Unterscheidungen machen

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 40

Erwischt! Nach dem Aufstehen der Blick auf die eMails, die neusten Nachrichten und den Wetter:Bericht! Vieles gleichzeitig und von allem zu viel.

Gesprächs:Fetzen neulich in einer Warte:Schlange Zwei überlastete Mütter im Gespräch. „ Wann hast du denn noch Zeit, um soviel bei Facebook zu posten?“ „Antwort: „ Das mache ich immer auf dem Klo.“ Das will ich mir wirklich nicht vorstellen!

Herr Masuno rät zu Errichtung von „Toren für Unter:Schiede“.

Beispiel: beim Verlassen der Haustüre beginnt man, an die Arbeit im Allgemeinen zu denken. Während der Bahnfahrt schaut man sich die konkreten Tages:Aufgaben an. Abends, auf dem Nachhause:Weg geht’s in umgekehrter Reihen:Folge. Mit dem Betreten des Hauses endet das Denken an und über die Arbeit.

Ich kann mir gut vorstellen, dass das Einüben dieser mentalen Disziplinierung zu guten Ergebnissen führen kann. Themen und Tore kann ich mir anpassen. Sobald ich IM Haus anfange „ungut zu grübeln“ gehe ich hinaus. Gehe durch mein persönliches Tor der Unterscheidung. Das ist praktisch und fühlt sich gut an. Beginne heute damit!

39: Denkpausen erlauben

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 39

Ideen und Gedankenblitze verstecken sich gerne in Zwischenräumen. Mir ist, als hätten wir die Zwischenräume fast ganz vertrieben und ausgerottet. Vor lauter Effizienz, entleerten Wörtern und Druck:Gefühlen!

Seit zwei Wochen bin ich ein kleiner Groupie von Harald Welzer. Er hat einen dicken Schmöker über Gesellschaftsutopien geschrieben. Ausgiebig, fundiert und facettenreich. Für sehr lange Leseabende. Verliebt habe ich mich in seine Arbeitsweise, als ich vor dem Quellenverzeichnis auf seine Zusammenfassung stieß. Er nennt es „11 Merksätze zum neuen Realismus“. Das macht es zunächst wissenschaftlich. Genauer betrachtet entpuppen sich seine Merksätze zu wunderbaren „utopischen“ Mantras, die ich am liebsten mehrmals am Tag durchlesen möchte. Kostprobe gefällig?

1. Zeit kann man ebenso gut auch verschwenden.

2. Es ist alles schon da, nur falsch zusammengesetzt.

3. Die Welt kann freundlich sein.

4. Kleinstmögliche Zustandsveränderung kann jede und jeder.

5. Morgen Mittag beginnt das Neue.

37: Vergleiche mit anderen vermeiden.

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 37


“Jeder Mensch, der seine Arbeit als Berufung sehen kann, kann sich glücklich schätzen.“ Die meisten zweifeln eher an sich oder ihrer beruflichen Situation. Zwei Gedanken bringt Herr Masuno ins Spiel: etwas Neues anzufangen kann leicht sein, sogar etwas zu beenden. Schwierig ist oft, eine Sache weiterzuführen. Ich denke, jede dieser drei Zustände hat ihre eigenen Herausforderungen, Grenzen und Chancen. Wer hat nicht schon mal an jeder dieser drei Haltungen/Entscheidungen gestanden!

Den zweite Aspekt von Herrn Masuno finde ich nützlicher: sich nicht mit anderen vergleichen, wenn es nur dazu dient, sich unnütz oder untalentiert zu fühlen. Man sollte genau darauf achten, mit wem oder was man sich vergleicht. Hadere ich persönlich damit, nicht in drei Wochen die australische Wüste durchqueren zu können, ist grad´ niemandem damit gedient. Im Sport ist es Teil des Systems, aber nicht im alltäglichen Leben. Es zieht eher Neid und Traurigkeit an. Es wird immer Menschen geben, die besser oder schlechter dran sind als ich, es wird immer Gründe für Neid und Missgunst geben, wenn ich mich darauf einlasse. Das nützt eben so gar nichts. Ich kann überprüfen und nachspüren, wann und mit wem ich mich vergleiche und es auf mich zurückspiegeln. Eine mächtige Quelle der Selbst:Erkenntnis!!!!

36: die Schuld nicht bei anderen suchen

… ist eine Denkweise, die uns Glück und gute Beziehungen schenkt.

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 36

Herrn Masuno „insistiert“ beim Thema Arbeit. Es sei eine unglaublich bereichernde Haltung, jedwede Arbeit mit Hingabe zu machen.

Ich habe ein paar Jahre offene Jugendarbeit gemacht. Als der Zeitpunkt kam, dass ich dachte „wenn ich noch einmal das Wort Liebeskummer oder schlechte Schulnote höre, platze ich!“, habe ich gekündigt. Spürte, dass mir die Geduld und damit die Zuwendung abhanden gekommen waren. Das habe ich niemals bereut.

Es gilt, eine Paradoxie aufzulösen. Wenn ich das in Frage stelle, was ich tue oder zu tun habe, führt es zu keinem guten Ergebnis, zu keinem Erfolg. Wenn ich schon beim Aufstehen denke: „ohje, jetzt muss ich ja noch meditieren!“ verliert die Übung ihren Sinn.

Ich selbst spiele die Hauptrolle bei meiner Arbeit, – das rät Herr Masuno als Denkweise. Das kann alles verändern und ich spüre an mir selber, dass ich manchen Widerstand „weg:atme“ und mich dann freier fühle. Es fehlt mir noch ein wenig an Übung, wenn zuviel auf mich einströmt. Vertraue mal auf die restlichen 64 Kapitel!!!

35: Sich nicht von seiner Umwelt gefangen nehmen lassen

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 35

Der Untertitel ist gewöhnungsbedürftig: „Ein Tag ohne Arbeit ist ein Tag ohne Essen.“ Auch die Betonung im Zen auf asketische Übungen stößt schnell auf meinen Widerstand.

„Asketisch“ stammt aus dem Griechischen (askētḗs; ἀσκητής) und führt auch die Bedeutung: „wer sich einer Sache befleißigt“.

Lasse ich meine sprachlichen und kulturellen Vorbehalte mal beiseite, kann ich das heutige Kapitel so verstehen, dass es darum geht, jede Arbeit, jede Tätigkeit anzunehmen, sie als eine weitere Möglichkeit zum eigenen Wachstum zu erleben. So wie Nahrung mich nährt und am Leben erhält, kann das „asketische“ Gefühl (mich einer Arbeit zu befleißigen) für alle anliegenden Arbeiten mich spirituell und persönlich nähren. Allmählich versöhne ich mich mit immer mehr Handlungen, die ich bisher als schnöde Arbeit angesehen habe, die es galt, hinter mich zu bringen. Da ist der Weg wirklich nicht mein Ziel gewesen. Ich lerne dazu.